Informationen zur sogenannten Energiesparlampe

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In der Öffentlichkeit wird zur Zeit viel über das Verbot der Glühbirne und die vermeintlichen Vorteile der Energiesparlampe berichtet. Leider sind diese Beiträge oft sehr einseitig und fast identisch. Deshalb sind hier als „Gegenöffentlichkeit“ einige qualifizierte Informationsquellen zur Problematik der Energiesparlampen aufgelistet, die eine andere Sichtweise vorstellen. Besonders möchte ich auf die Beiträge des Baubiologen Wolfgang Maes und des Arztes Alexander Wunsch hinweisen (siehe Link-Liste). Für Ergänzungen sind wir dankbar.

Ich habe noch vier Punkte zusammengestellt, die mir thematisch wichtig erscheinen.

1) Der Umsatzfaktor

Etwa zwei Milliarden Glühbirnen wurden jährlich bis zum Verbot 2009 in der EU verkauft – meist zu Preisen von 30 Cent bis zu einem Euro. Das war der Leuchtmittelindustrie anscheinend eindeutig zu wenig Umsatz. Die Energiesparlampen kosten immerhin bis knapp 10 Euro.

Die zuständigen Industriekonzerne hatten deshalb bereits Ende der achtziger Jahre beschlossen, Green Light einzuführen. Die „Kompaktleuchtstoffröhren“ sollten Strom sparen, deshalb der Name Energiesparlampen. Die angegebenen 80 Prozent Stromeinsparung werden aber in der Regel nicht erreicht; auch sind die Angaben zur Betriebsdauer zu hoch, und sie verlieren im Lauf der Zeit Leuchtkraft (vgl. Artikel „Keine Leuchten“ in Ökotest). Dazu fehlt im Licht der Energiesparlampen weitgehend der Rotlichtanteil, der in der natürlichen Sonnenstrahlung und im Licht der Glühbirne vorhanden ist. Bezüglich Lichtfarbe, Lichtflimmern und Elektrosmog kommen viele Lichtexperten zu verheerenden Urteilen. Das Licht ist außerdem ungerichtet und diffus und die Belastung durch Elektrosmog hoch, um nur einige der Nachteile zu nennen.

Sie enthalten Quecksilber (zwei bis acht Milligramm pro Lampe), und die „Entsorgung“ ist problematisch. 2008 fielen bereits etwa 120 Millionen Sparlampen an, von denen zwei Drittel im Hausmüll landeten. Auch gehen bei der „geordneten Entsorgung“ viele Lampen zu Bruch, wobei das Quecksilber freigesetzt wird. Wie viel Energie das gesamte aufwendige Entsorgungssystem – das Einsammeln der Lampen, die nötigen Transporte, das (vorgebliche) Trennen der Rohstoffe etc. - kostet, geht in die herkömmlichen Energiebilanzen nicht ein.

Der Name OSRAM entstand aus der Kombination der beiden für den Glühdraht nötigen Metalle Osmium und Wolfram. (Aus der OSRAM GmbH wird nun die Quecksilber GmbH.) Oft wird die Quecksilberbelastung durch Energiesparlampen in der Produktion und im Hausmüll gegengerechnet mit der Quecksilberbelastung, die bei der Erzeugung von Kohlestrom (etwa 50 Prozent Anteil in Deutschland) entsteht. Die verwendeten Zahlen sind widersprüchlich. Außerdem ist der Anteil des Stroms für Beleuchtungszwecke in den Haushalten am Gesamtstromverbrauch sehr niedrig. Hier hätte es viel sinnvollere und gravierendere Anwendungsgebiete gegeben. So werden in Deutschland zum Beispiel vier Prozent der Wohnungen mit Strom beheizt: Die Einsparpotentiale von Strom wären hier ungleich höher, ebenso bei Warmwasserbereitung etc.

Dazu haben zum Beispiel neue Großrechner einen Strombedarf von bis zu acht Megawatt und mehr. In solchen Fällen werden die Quecksilberemissionen bei der Kohlestromerzeugung nie diskutiert. Dieses Argument wurde Anfang des Jahres 2009 erstmals eingesetzt, um der Kritik an der Quecksilberbelastung durch Energiesparlampen entgegenzuwirken und umgehend vom Bundesumweltministerium und fast allen Naturschutzverbänden übernommen.

2) Die Politik

2008 wurde mit großem Brimborium in Australien und in der EU gestaffelt von 2009 bis 2012 die in der Herstellung und Entsorgung harmlosen Glühbirnen verboten. Die Industrie erreichte für ihre Energiesparlampen sogar eine EU-Ausnahmeregelung für das im Februar 2009 beschlossene weltweite Quecksilberverbot. Da ein Großteil der weltweit verkauften Energiesparlampen in China produziert wird, werden dort derzeit wieder alte Quecksilberbergwerke aktiviert.

Die Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments, Mechthild Rothe (SPD) verwies darauf, dass die Umstellung auf Energiesparlampen mit der Industrie angesprochen sei. Hon y soit, qui mal y pense: Ein Schelm, wer Böses dabei denkt…

Markus Ferber, der Chef der CSU-Gruppe im EU-Parlament, äußerte nicht von ungefähr im Februar 2009: „Wir müssen das Verbot zurückrufen.“ Der Einsatz Deutschlands für das Verbot der Glühbirne läge am „ordnungspolitisch nicht sauber aufgestellten Wirtschaftsministerium“, in dem die Zuständigen einer starken Herstellerlobby nachgegeben hätten.

Nun hat diese Lobby gründlich gearbeitet. Und die staatlichen Behörden hatten ihr Placebo-Objekt gefunden. Endlich geschah etwas. Und jeder konnte mitmachen, eine typische Alibiveranstaltung und systemimmanent dazu. Die zwangsweise eingeführten „Energiesparlampen“ sollen angeblich gegen den Klimawandel helfen: In Wirklichkeit dienen sie zur Umsatzerhöhung der Leuchtmittelhersteller.

3) Die Umweltorganisationen

Der Segen der Umweltschützer ließ aus gutem Grund auf sich warten – zwanzig Jahre lang. Aber die Industrielobby hatte wie immer einen langen Atem. Jetzt lassen sich die großen Umweltorganisationen weltweit und leider weitgehend kritiklos vor den Karren der Elektroindustrie spannen und erteilten sich eine Art globales kollektives Denkverbot. In Deutschland drohen sogar einige in Blockwartmanier, den Weiterverkauf der Glühbirnen nach dem August 2009 strengstens überwachen zu wollen. Dieses Verhalten ist durch die Fakten in keiner Weise zu rechtfertigen.

Es ist ebenso falsch wie irreführend, die Rettung des Klimas mit dem Verbot der Glühbirne erreichen zu wollen. Wie schon erwähnt, wären andere Maßnahmen wesentlich wirkungsvoller und weit effizienter.

4) Fazit

Die Leuchtmittelindustrie vervielfacht ihren Umsatz. Der Umwelteffekt geht angesichts der vielfältigen Nachteile der Energiesparlampen gegen Null. Den Stromversorgern bleibt vermutlich ein nahezu identischer Stromabsatz erhalten. So erfordern die neuen Lampen nach Herstellerangaben die vierfache Energie. (In Wirklichkeit dürfte der Faktor noch höher liegen: Eine 60-Watt-Glühbirne wiegt 23 Gramm, eine vergleichbare Energiesparlampe mit hohem Elektronik- und Keramikanteil immerhin 88 Gramm.) Sie bleiben öfter angeschaltet, da sie ja angeblich so sparsam sind, und ihre „Entsorgung“ kostet dazu eine beträchtliche Energie, nicht zuletzt wegen des Quecksilberanteils.

Alle scheinen zufrieden, nur die Konsumenten nicht, die das kalte blasse Licht nicht mögen. Der Lichtdesigner Ingo Maurer beschreibt es mit dem Wort „demoralisierend“. Und auch der Natur ist nicht gedient: Über die Globale Destillation werden noch mehr Quecksilber und bromierte Flammschutzmittel in Arktis und Antarktis verteilt. Und die alte Dame von nebenan weiß plötzlich nicht mehr, wie sie ihre paar Leuchtmittel bezahlen kann.

Insgesamt ist das Verbot der Glühbirne und die staatlicherseits erzwungene Durchsetzung der „Energiesparlampe“ ein dreister Vorgang. Es ist wohl das erste Mal in der Geschichte der Industrieproduktion, dass ein harmloses gegen ein ungleich schädlicheres Produkt durchgesetzt und auch noch mit einem offiziellem Verbot belegt wird. Es wird - aus Geschäftsgründen – wohl nicht das letzte Mal sein.

Warum gibt es in Deutschland kein Tempolimit auf Autobahnen, warum werden Geländewagen nicht verboten, oder Elektroheizungen, oder Billigflüge? Weil dies den Geschäften der Industrie schaden würde. Warum wurden die Glühbirnen verboten? Weil dadurch der Umsatz der Industrie erhöht wird.

Dr. Wolfgang Zängl

PS: Absurder und irrationaler Endpunkt deutscher und europäischer Umweltpolitik: Die Glühbirne wird offiziell aus Gründen des Stromsparens und der Energieeffizienz verboten, während gleichzeitig Elektroautos mit enormem Stromverbrauch und uneffizientem Wirkungsgrad mit hohen staatlichen Mitteln gefördert werden. Siehe Beitrag zum Elektroauto unter www.goef.de.

Empfohlene kritische Artikel und Beiträge:

Blawat, Karin, Wahre Leuchten, in: SZ Wissen Dezember 2008 http://archiv.sueddeutsche.de/sueddz/

Briegleb, Till, Wie Vermeer mit Küchenzeile, in: SZ 24.7.2009 http://archiv.sueddeutsche.de/sueddz/

Drobinski, Matthias, Blendende Erleuchtung, in: SZ 24.12.2008 http://archiv.sueddeutsche.de/sueddz/

EU beschließt Aus für Glühbirnen, in spiegelonline 8.12.2008 http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,595133,00.html

Gammelin, Cerstin, Glühen oder nicht glühen? Der Umweltausschuss des EU-Parlaments stellt das Verbot der konventionellen Birne wieder in Frage, in: SZ 10.2.2009 http://archiv.sueddeutsche.de/sueddz/

Gieselmann, Moritz: Adieu gute alte Glühbirne – willkommen Sparbastard, in: Der Standard 28.8.2009 http://derstandard.at/fs/1250691517708/Energiesparlampen-Adieu

Kniebe, Thomas, Das Prinzip Glühbirne, in: SZ-Magazin 27.6.2008 http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/25151

Maes, Wolfgang: energiesparlampe-gluehbirne.pdf

Maes, Wolfgang: wissenschaft.pdf

Maes, Wolfgang: zitate-energiesparlampen.pdf

Mai, Anna, Keine Leuchten, in: Ökotest 26.9.2008 http://www.oekotest.de/cgi/index.cgi?artnr=91415;bernr=01;co=;suche=Energiesparlampe

Maes, Wolfgang: Glühbirne raus – Energiesparlampe rein? Moment mal … energiesparlampe-gluehbirne.pdf

Maes, Wolfgang, Wissenschaft – wirklich? Gesundheitsrisiko Mobilfunkstrahlung: Wo bleibt die wissenschaftliche Anerkennung? wissenschaft.pdf

Maes, Wolfgang: Zitate zum Thema Energiesparlampen: zitate-energiesparlampen.pdf

Schmundt, Hilmar, Scheinhelligkeit im Wohnzimmer, in: Der Spiegel 41/2008 http://wissen.spiegel.de/wissen/dokument/dokument.html?id=60883196&top=SPIEGEL

Schrader, Christopher, Birne auf Sendung, in: SZ 17.9.2009 http://archiv.sueddeutsche.de/sueddz/

Klaus Stanjek ( Hg.)
ZWIELICHT - Die Ökologie der künstlichen Helligkeit
170 Seiten
€ 14,50 / SFr 29,30
Raben Verlag, München 1989
ISBN 3-922696-34-1

Hier zu bestellen: info@goef.de

Mit keinem Element gehen wir so sorglos um wie mit dem Licht. Dabei ist das Licht im Zuge der Industrialisierung einer gewaltigen Veränderung unterzogen worden. Einen großen Teil unseres Lebens verbringen wir unter künstlicher Beleuchtung. Der Tag ist unbegrenzt verlängerbar geworden, die Nacht weitgehend vertrieben. Freilich nicht ohne Folgen für den Menschen. „(Stanjek) schärft vielmehr unsere Sinne für die Einsicht, daß Licht weit mehr ist als Helligkeit, … daß daher der Ausbau der künstlichen Welten … ein fortwährender Angriff auf unsere Gesundheit ist.“ (Süddeutsche Zeitung)

„Das Buch ist ein gelungener Versuch, dem Licht - dem Werk des ersten Tages der Schöpfung - zu der ihm zustehenden Bedeutung zu verhelfen.“ (Form & Technik)

Steinberger, Petra, Glüh im Glanze dieses Glückes, in: SZ 13.1.2007 http://archiv.sueddeutsche.de/sueddz/

„Es wird einen Boom für Psychiater geben“, Interview mit Ingo Maurer in: SZ 10.12.2008 http://archiv.sueddeutsche.de/sueddz/

Websites:

Alexander Wünsch, Glühlampenlicht und Gesundheit. Ein medizinisches Plädoyer für gesundes Licht:
http://www.lichtbiologie.de/LICHT%20Vollversion.pdf

Alexander Wünsch, Ja! Zur Glühlampe, Plädoyer für ein gesundes Leuchtmittel:
http://www.lichtbiologie.de/gluehlampe.pdf

Lichtbiologie – Lux agitat molem:
http://www.lichtbiologie.de/page9/page9.html

Wolfgang Maes, Unser Patient ist das Haus:
http://www.maes.de/

Prüfinstitute PZT GmbH:
http://www.pzt-lab.de/

Manufactum: Abschied von der Glühbirne. Ein Nachtrag
http://www.manufactum.de/Kategorie/-863/Gluehbirnen.html